Produktart: Taschenbuch (Buch) ISBN-10: 3-492-25220-6 ISBN-13: 9783492252201 Verlag: Piper Herstellungsland: Deutschland Jahr: März 2009 Auflage: 2., Auflage Format: 11,99 x 18,80 x 1,80cm Seitenanzahl: 174 Gewicht: 181gr Bindung: Broschiert
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0.)Theorie der Unbildung Konrad Paul Liessmann (Autor/in) Paul Zsolnay-Verlag; 2006 Gebundene Ausgabe
Erheiternd, scharfzüngig, polemisch, aber nicht immer korrekt Das Buch hat mich sehr erheitert, gerade auch ob seiner Polemik. In der Tat haben wir mit dem »Wissen« ein Problem. Das hat aber weniger mit dem Neoliberalismus zu tun, sondern vor allem auch mit den Wissenschaften selbst. Die produzieren nämlich fortlaufend falsche Resultate.
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Nicht so spannend
Also ich hab mir das Buch schon vor einer ganzen Weile zugelegt und bestimmt schon 3x angefangen zu lesen.
Richtig gefesselt oder auch nur zum Weiterlesen animiert, hat es mich bis heute nicht.
Kein Platz mehr für die Muße
Liessmann versteht es wie kein anderer mir bekannter Autor, Kritik in sehr scharfem, klaren Ton zu äußern. Theorie der Unbildung beschäftigt sich mit aktuellen Themen und Problemen der Bildungsanstalten. Der große Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt (1767-1835) wird oft zitiert wenn es Liessmann darum geht, Bildung als Erweiterung der geistigen Fähigkeiten zu sehen. Bis vor kurzem galt Bildung als Durchdringung der Welt mit dem Geiste. Dass heutzutage die Lehrer in den Grundschulen aber auch in den Gymnasien eher als Psychologen und Mediatoren für die Schüler da sind, ich hörte sogar die Bezeichnung Edutainer, eine Mischung von Entertainer und Educator, zeigt schon den mangelnden Geist unserer Zeit. Damit man seinen Geist erweitern und bilden kann, braucht man Muße. Diese Muße gibt es heute aber nicht mehr. Es ist sogar verpönt, sich für eine Sache Zeit zu nehmen. Alles muss schnell gehen und man muss das richtige Gespür für die »Marktlücke« bekommen. Heute spricht man von Wissensmanagement. Die Universitäten haben keine selbstdefinierten Ziele mehr sondern richten sich nur mehr nach wirtschaftlichem Gewinn, sie verkaufen sich billig an den Markt und erniedrigen sich dabei selbst. Die Studiendauer wird immer kürzer, man kann ja Master werden (Magister ohne gi). Denken ist sowieso nicht mehr gefragt, jeder Student soll in den Seminaren die gleiche Meinung haben und ein Individualist wie Kant es war, würde heute nicht einmal das erste Semester überstehen. Denn heute muss gereist werden, man muss flexibel sein und möglichst viel publizieren um Professor zu werden. Dass beim Erasmussemester die Partys dann das wichtigste sind oder dass sich Flexibilität so äußert, dass man wegen einer Stunde Arbeit 10 Stunden Auto fahren muss, oder dass man das publiziert, was der Markt einem diktiert, sei dahingestellt. Humanistische Bildung wie Humboldt sie verstand, als Erweiterung des Geistes, als Erziehung zum selbständigen Denken, als Durchdringung der Welt mit eigenen Gedanken ist heute nicht mehr gefragt, ja sogar verpönt. Heute ist kein fundiertes Wissen notwendig um viel zu verdienen oder sich in Gesellschaft zu etablieren. Inhalte sind nicht mehr gefragt, geschweige denn die Beschäftigung mit alten Sprachen wie Altgriechisch. Man wird höchsten ausgelacht oder als altmodisch degradiert. Je mehr Statistiken und Tabellen auf einer Power-Point Präsentation vorhanden sind, desto weniger geht es um die Sache, aber desto mehr Erfolg hat man. Mit diesen und weiteren Themen wie Rankinglisten und die Entwertung von Denken beschäftigt sich dieses Buch. Wie bei der Millionenshow geht es darum zufällig etwas zu wissen. Wissen ist zu einer leeren Hülle geworden. Bezeichnend ist auch der Versuch, Bildung zu standardisieren, damit man überall in Europa in Kurse einsteigen kann, weil ohnehin der gleiche Inhalt besprochen wird. Spätestens beim Sprachen lernen merkt man, wie diese Standardisierung zum Scheitern verurteilt ist. Denn wenn ich an die europäische Stufenskala denke, die zumindest in der Erwachsenenbildung verwendet wird, dann muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das ganze eine Augenauswischerei ist. Jene die die Stufe A1 z.B. erreicht haben, unterscheiden sich untereinander wie Tag und Nacht. Es gibt beträchtliche individuelle Lernunterschiede. Wenn 20 Leute den gleichen Kurs belegen ist es nicht gesagt, dass alle 20 Personen am Ende den gleichen Stoff beherrschen. Aber heute geht es wirklich nur mehr darum leere, inhaltslose Zertifikate und Zeugnisse zu erstellen. Ob jemand den Inhalt wirklich beherrscht oder nicht, das ist einem jeden egal, hauptsächlich man verkauft sich gut und man fügt sich in diesem übergeordneten System, bestehend aus leeren Phrasen und schönen Frisuren. Ich bin mit Liessmann vollkommen einer Meinung und finde es wirklich schade, dass sich die wenigsten heute Zeit nehmen, ihren Geist, so wie einst die alten Griechen, zu formen, zu vertiefen und zu schulen.
Hilfloser Zorn als Abgesang auf ein durch Unbildung erodiertes einst vorbildliches System.
Der Inhalt in aller Kürze: tiefgründige Forschung und »Bildung« – im ursprünglichen Wortsinne – drohen verloren zu gehen, weil die moderne Bildungspolitik ein altes Bildungskonzept zu verbessern strebt, dessen Grundlagen sie nicht mehr kennt, da sie selbst die grundlegenden Texte des Humanismus und des deutschen Idealismus nicht mehr gelesen hat und deshalb, bar jeder echten Bildung und in Unkenntnis des zu Verbessernden, das Gute am Alten nicht bewahren kann, und – aus mangelnder eigener philosophischer Tiefe und Sorgfalt auch kein gleichwertiges oder besseres Bildungkonzept zu entwerfen vermag.
Eine solche Verschlimmbesserei und Pfusch an den Grundlagen unserer Gesellschaft muss gerade einen Denker wie Liessmann zur Verzweiflung treiben, der eben, anders als die Mehrheit unserer Gesellschaft, die unserem alten Bildungskonzept zugrundeliegende Philosophie noch kennt und gründlich studiert hat. Sein in der Verzweiflung oft ohnmächtig wirkender Zorn entlädt sich auf 175 Seiten dieser Streitschrift, die weniger die »Irrtümer der Wissensgesellschaft« aufzeigt als in bisweilen wie gelähmtem Entsetzen bloß noch zu konstatieren, dass die Fundamente unseres Bildungsideals bereits so erodiert sind, dass selbst unsere in den universitären Verwaltungen tätigen Hochschullehrer sich von den bunt schillernden Sprechblasen der »Globalen Wissensgesellschaft« ohne jede kritische Gegenwehr mesmerisieren lassen.
Liessmanns Streitschrift kommt leider zwei oder drei (oder vier?) Jahrzehnte zu spät, wird ohnehin nicht viel zur »öffentlichen« »Debatte« (wo gibt es noch »öffentliche Debatten« – in der Leserbriefsparte des »Spiegel« oder in einem von eintausenddickmilch Blogs?) beitragen, eignet sich aber hervorragend, um sich von ihr ausgehend in das einzulesen, was mal das humanistische Bildungsideal war – die Fussnoten geben da die eine oder andere Anregung.
Polemik
Liessmanns Buch ist laut Klappentext eine »furiose, hochintelligente Polemik … « – dem kann ich zustimmen, und in meiner Reaktion darauf auch etwas polemisieren.
Liessmann ist unter anderem für: die Kultur der alten Griechen, Humboldt, Aufklärung, Humanismus und die »geistige Durchdringung der Welt« nach Hegel (was immer das sein mag). Zitat: »Humanistische Bildung – und eine andere gibt es nicht … «! (S. 57)
Er ist unter anderem gegen: Rankings/PISA, Eliteinstitutionen, Drittmittel, Projektorientierung, Englisch als Wissenschaftssprache, Ziel- und Leistungsvereinbarungen, Vernetzungen, Computer an Schulen und an Universitäten (besonders Powerpointpräsentationen), den Bologna-Prozess, besondere Förderung von Frauen in den Wissenschaften, die neue deutsche Rechtschreibung – eigentlich gegen alle Reformen, und die Ökonomisierung der Wissenschaftsbetriebs.
Meine Meinung: Ich stimme mancher Kritik Liessmanns zu, allem voran der Kritik an der Übermächtigkeit der Wirtschaft – abgekürzt: Zahlen sind die höchsten Werte, vor allem prozentuelle Steigerungen und Profite. Hier sehe ich mit Liessmann und hoffentlich mittlerweile mit Millionen anderen einen echten Werteverlust.
Ich war von seinem Buch aber insofern enttäuscht als dass es bei der Polemik bleibt und keine wirklichen Lösungen angeboten werden. Nur die alten Griechen und kreatives »zweckfreies« Denken bzw. »die beste Reform ist keine Reform« sollen uns helfen, unsere Probleme zu bewältigen?
Ich finde auch, dass Liessmann – bei allem Respekt für den österreichischen Wissenschaftler des Jahres 2006 – zu oft widersprüchlich ist: Eines der wichtigsten Beispiele: Die Wissensgesellschaft missachte ihr »vermeintlich höchstes Gut« (S. 144) durch Beseitigung von veraltetem Wissen und Abwerfen von unnötigem Wissensballast. Wissen ist also für Liessmann sehr wertvoll. Ein paar Zeilen weiter stellt er aber in Frage, »ob Wissen überhaupt ein Kandidat für ethische Reflexionen sein kann« (also einen Wert darstellt). Abgesehen davon muss es wohl erlaubt sein, über die Auswahl von Wissen, besonders in der Lehre, zu diskutieren. Hier widerspricht er sich auch wieder, da er ganz heftig einen Kanon von – offenbar besonders wertvollem – Wissen fordert.
Oder: In der Wissensgesellschaft würde die Beziehung von Wissen zur Wahrheit gekappt (S. 149), statt um Erkenntnis gehe es nur um die Lösung von Problemen. Mein Gegenargument: Wenn Beschreibungen von Zusammenhängen (Wissen) zur Lösung von Problemen beitragen, dann haben sie Wahrheitsgehalt. Die absolute Wahrheit bleibt ohnehin nur ein Ideal.
Oder, worüber ich schmunzeln musste: Die Wissenschaftler sprechen in ihrem Fachenglisch nur mehr einander, also Eliten und nicht das gemeine Volk an, und seien daher antiaufklärerisch (S. 138 f.) – aber Hegel war ein Wissenschaftler für das gemeine Volk!? – Sehr witzig.
Auch bei der alten deutschen Rechtschreibung» übertreibt er es ein bisschen – Mißverhältniß« (sic!). Na ja, in einer Polemik sei diese Anmerkung erlaubt, Fehler machen doch nur menschlich.
Das Buch war durchaus unterhaltsam zu lesen, aber ich hätte mir gerade in Anbetracht von Liessmanns Anspruch auf Rationalität als Philosoph mehr Folgerichtigkeit, Klarheit und Struktur erwartet. Ich halte durchaus etwas von Rückbesinnung und von Nachdenken in Muße, aber Bildung nach dem Muster humanistischer Gymnasien als einziges Mittel der Autonomie der Menschen, ja der Rettung des Abendlandes darzustellen – da kann ich nicht folgen. Liessmanns Position ist eine klare Ablehnung des Pluralismus (das könnte gefährlich werden!), aber gleichzeitig will er kreative Freidenker, die unsere Probleme lösen können – vielleicht der größte Widerspruch in der Theorie der Unbildung".
Erheiternd, scharfzüngig, polemisch, aber nicht immer korrekt
Das Buch hat mich sehr erheitert, gerade auch ob seiner Polemik. In der Tat haben wir mit dem »Wissen« ein Problem. Das hat aber weniger mit dem Neoliberalismus zu tun, sondern vor allem auch mit den Wissenschaften selbst. Die produzieren nämlich fortlaufend falsche Resultate.
Beispiele:
- Die Menschen werden übergewichtig, weil sie zu viel Fett essen und sich zu wenig bewegen. Dies ist falsch, gilt aber als richtig.
- Die Frauen setzen deshalb so wenige Kinder in die Welt, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch nicht gegeben ist. Ist falsch, wird aber ständig behauptet.
- Das menschliche Gehirn kommt als leeres Blatt auf die Welt, deshalb könne jeder Mensch gleich gebildet werden. Diese Behauptung ist total falsch.
An letzter Behauptung scheint auch Liessmann ein wenig zu glauben, denn er sieht vor allem Versäumnisse in der Bildungspolitik. Dies mag auch so sein, nur viel gravierender für unsere Gesellschaft ist die Tatsache, dass gebildete Menschen kaum Kinder bekommen. Dass was Kinder später kompetent macht, bekommen sie nämlich in erster Linie von ihren Eltern. Alles andere ist auch wichtig, aber nicht so wichtig wie das, was die Eltern mitgeben. Wenn aber hohe Kompetenzen bei Männern und Frauen zu Kinderlosigkeit führen, kann das nicht gut gehen, egal wie die Bildungspolitik aussieht.
Woran liegt es denn, dass die »Wissenschaft« fortlaufend falsche Resultate produziert? Nun, Interessen regieren die Welt. Und Erkenntnisse, die gängigen Interessen nicht entsprechen, haben keine Chance. Hinzu kommt: Wissenschaften kontrollieren sich nur selbst. Es gibt keine externe neutrale Instanz, die ihnen auf die Finger schaut. Das ist schlecht.
Ich bin sogar überzeugt, heute könnte es einen Albert Einstein nicht mehr geben. Man würde einem solchen Außenseiter keine Chance geben, seine Arbeiten wären schon vor Veröffentlichung abgelehnt worden. Und Darwin würde heute einem Wallace auch nicht mehr die gleiche Ehre für die Entdeckung der natürlichen Selektion gewähren. Er würde dessen Brief erst gar nicht lesen.
Das, was sich heute Wissenschaft nennt, verdient diesen Namen nicht mehr.
Unabhängig davon glaube ich nicht, dass es sich lohnt, das von Liessmann aufgeworfene Problem wirklich ernst zu nehmen. Wenn ein Unternehmen viele Jahre lang nicht mehr in die Forschung investiert, veralten seine Produkte. Wenn es das merkt, ist es zu spät. Korrigieren kann man eine solche fatale Situation nicht mehr, dafür fehlen dann auch das Geld und die Kompetenzen.
Deutschland lebt in erster Linie von seinem Humankapital. Und wenn dann Nokia entscheidet, sich dieses woanders zu holen, dann ist plötzlich die Enttäuschung riesengroß. Wollen die denn nicht mehr unsere überragenden Kompetenzen? Nein, die gibt es ja in diesem Umfang auch nicht mehr. Nun sind wir nur noch Mittelmaß. Man hätte frühzeitig dafür sorgen müssen, dass auch die »Wissensträger« Kinder kriegen. Aus ideologischen/feministischen Gründen hat man das verhindert. Die dafür passende Theorie hat die Wissenschaft natürlich gleich mitgeliefert: Das wäre nicht schlimm, hieß es, schließlich könnte man mit der richtigen Bildungspolitik aus jedem Menschen einen Atomphysiker machen, so man denn einen bräuchte.
Das war politisch korrekt, nur leider völlig falsch. Hat aber keinen interessiert, Hauptsache die Wissenschaften haben es abgesegnet.
Aber was soll's? Das Kind ist nun in den Brunnen gefallen. Darüber aufregen lohnt sich nicht. Wie bei einem Unternehmen, was es versäumt hat, rechtzeitig in die Forschung und Entwicklung zu investieren, kommt Deutschland nicht mehr aus der Krise raus. Der Zug ist leider abgefahren, mit oder ohne Liessmann. Es geht eigentlich nur noch darum, dieses Land abzuwickeln.
0.)Theorie der Halbbildung Theodor W. Adorno (Autor/in) Suhrkamp Verlag; 2006 Gebundene Ausgabe
Fenster sein! Nicht Spiegel. ::
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Gut und verständlich dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der sich über Philosophen (die oft zitiert werder)und deren Probleme einen kleinen, aber sehr prägnanten und leicht verständlichen Überblick verschaffen möchte.