Es werden in vielen Kapiteln Listen mit den Richtigen Fragen gestellt. Antworten oder Kriterien, um im eigenen Betrieb auf die richtigen Antworten zur Einführung von Kanban zu kommen bleiben aus. Bestes Beispiel liefern die Kapitel 2.2 »Überprüfen der Kanban-Fähigkeit« oder 2.3 »Auswahl und Festlegung der Regelkreise«. Im ersten Fall werden jede Menge Fragen aufgelistet, aber keine Kriterien genannt, wann Fertigung oder Qualität tatsächlich »kanban-tauglich« sind. Die Aussagen zu Informations- und Materialfluss sind trivial. (»Für Kanban ist ein schneller, sicherer und möglichst einfacher Informationsfluss vorteilhaft.«) Im zweiten Fall wird eine offensichtliche, generische Vorgehensweise mittels sechs Punkten skizziert. Der letzte Punkt lautet schlicht: »Festlegen, welche Regelkreise über Kanban gesteuert werden soll.« Wie man die Regelkreise auswählen soll bleibt dem Leser verborgen. Besser gefällt mir das kurze Kapitel 2.4 »Berechnung von Kanban-Größen« und die kurze Beschreibung der Hilfsmittel in 2.5. Was danach Kapitel 2.6 vermittelt, sind arbeitsgestalterische Basics und gehören nicht typisch zu Kanban. (z.B. Motivation: Dürfen-Wollen-Können). Die schlichte Auflistung der betroffenen Abteilungen (alle im Unternehmen; hahaha) ist in diesem Umfeld eine Unverschämtheit. Beispiele helfen immer, bestimmte Prinzipien in ihrer Anwendung zu zeigen und verständlich zu machen. Kap 3 bis 8 und 10 bis 12 sind daher gerechtfertigt. »Spielregeln« auf 1,1 Seiten als ganzes Kapitel 9 aufzublasen ist nicht angebracht. Der Inhalt kommt zu plakativ, zumal die Kanban-Päpste Takeda und Ohno in ihren Büchern die wirklich wichtigen und grundsätzlichen Regeln nennen.
Fazit: Wer kurz etwas zu Kanban kennenlernen will, liest dieses Buch. Wer Kanban im eigenen Umfeld professionel einsetzen will/muss, also einen echten »Leitfaden zur Einführung« braucht, wird um andere Bücher (Takeda oder Rother) nicht umhin kommen oder holt sich gleich einen externen Berater ins Haus.