Empfehlenswerter Kunstführer
Die Auswahl der Gemälde ist natürlich eine subjektive – es gibt sicherlich Kriterien, die ein Kunstwerk als gut oder schlecht, als bedeutend oder unbedeutend klassifizieren, dennoch hat der Herausgeber von 1001 Gemälde» es geschafft, eine Auswahl zu treffen, die manchmal überrascht, die interessant, abwechslungsreich und vielseitig ist und vor allem sehr, sehr umfangreich. Ob sie gar zu umfangreich ist, das muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Wer sich bisher noch nie mit Kunst beschäftigt hat, wer gerade einmal Van Gogh und Picasso kennt, wird sich von der Informationsmenge sicher erstmal erschlagen und überfordert fühlen. Kunstliebhaber allerdings werden sich freuen, wenn sie ihre Lieblingsgemälde hier finden und viele neue Kunstwerke kennen lernen.
Bedauernswert ist jedoch, dass manche Bilder so klein abgebildet wurden, dass man kaum noch Details erkennt, so geht der ganze Zauber schnell verloren. Hier wäre es mitunter doch besser gewesen, sich auf weniger Gemälde zu beschränken, damit man dem ein oder anderen mehr Platz hätte schenken können, eventuell auch mal eine ganze Seite. Denn, wie der Titel schon sagt, es geht um Gemälde, die man sehen sollte – ein Bild eingehend zu betrachten ist letztlich immer besser, als nur davon zu lesen.
1001 Gemälde« ist trotz dieses kleinen Mangels ein empfehlenswerter Kunstführer, der den Leser durch verschiedene Epochen und Länder begleitet und den man immer wieder zur Hand nehmen kann, um ein neues interessantes Gemälde zu entdecken und auch die Geschichte, die hinter dem Bild steckt.
500 hätten es auch getan
100 ist gut, 500 ist besser – wie gut müssen dann erst 1001 sein … ? Der aktuelle Hang zur Gigantomanie geht zumindest in diesem Kunstbüchlein ziemlich daneben; das bloße Ansammeln von tatsächlichen und vermeintlichen Attraktionen bringt recht wenig.
Präsentiert werden Bilder von der altägyptischen Kunst bis hin zum 21. Jahrhundert. Geordnet sind die Gemälde chronologisch, d.h. streng nach Jahreszahlen geordnet. So findet man Werke ein und desselben Malers nicht immer gleich hintereinander, was manchmal ein wenig verwirrend ist. Thematisch fällt auf, dass die »alte Kunst« in der Relation zum Übrigen ein wenig unterrepräsentiert erscheint: nach einem Drittel des Buches ist schon die gesamte Entwicklung der Malerei bis zur Mitte des 18.Jahrhunderts abgehandelt. Die Auswahl der Werke ist, wie immer in solchen Kompendien, rein willkürlich und daher auch anfechtbar, im Großen und Ganzen aber gut getroffen.
Es finden sich ein meist gut recherchierter Text, der das Bild, den Maler und Wissenwertes aus dem Umfeld beschreibt, sowie eine sauber reproduzierte Abbildung. Die Kleinheit der Illustration lässt genaueres Betrachten der Kunstwerke allerdings kaum zu – wenn zwei Werke auf einer Seite besprochen werden, ist die Abbildung gar nur knapp so groß wie eine Sonderbriefmarke.
Man wollte einen Kunstband produzieren und hat den Inhalt in ein Kleinformat gepresst. So ist es eben ein »Kunstbändchen« geworden, ein dickes Taschenbuch mit fast tausend Seiten …
Preislich ist das Buch allerdings im mittleren Segment angesiedelt, was mir angesichts der visuellen Unzulänglichkeiten nicht wirklich günstig erscheint.